Adresslisten importieren, ohne dass die Karte lügt
6 Min. LesezeitStand 2026-07-19komplett offen — kein Gate
Du lädst die Liste hoch. Das System sagt „fertig". Du öffnest die Karte — und siehst einen einzigen Pin. Oder tausend Pins, alle übereinander gestapelt. Oder du siehst gar nichts, weil der Import bei Zeile 5.000 still abgebrochen hat. Die Karte lügt nicht aus Böswilligkeit, sie zeigt nur, was wirklich in der Datenbank steht. Und das ist nach einem Fehl-Import oft sehr wenig — oder falsch verteilt.
Adress-Importe sind der Moment, wo Planungsfehler teuer werden. Ein verlorener Nachmittag auf einer Karte, die falsche Gebiete zeigt, kostet reale Feldzeit. Dieser Leitfaden zeigt die vier Stellen, wo Importe scheitern — und wie du sie zumachst.
Größe und Format: Fehler 413 kommt nicht von deiner Datei
Fehler 413 bedeutet, dass die Datei zu groß ist für eine einzige Datenübertragung — nicht, dass die Datei kaputt ist. Browser lesen Dateien lokal, schicken sie dann an den Server — und wenn die Datei zu groß ist, lehnt der Server die Anfrage ab, bevor der Import auch nur beginnt. Die Karte bleibt leer. Kein Hinweis, warum.
Der Fix dafür ist kein magischer Größenwert, den du einhalten musst. Der Fix ist, dass das System die Datei in Pakete à 500 Zeilen aufteilt und diese nacheinander sendet. So kommt jede Zeile an — egal wie klein oder groß die Liste ist. Das Import-Limit liegt bei uns im Echtbetrieb bei 25.000 Adressen (angehoben von 5.000, weil reale Bestände gewachsen sind). Das Limit ist systemseitig — nicht in deiner Datei.
Was du prüfst, bevor du die Datei hochlädst: Gibt es eine sichtbare Fortschrittsanzeige? Kommt eine Bestätigung, wie viele Zeilen tatsächlich importiert wurden — nicht nur „fertig"? Wenn das System dir keine Zahl nennt, weißt du nicht, was ankam.
Pakete: Warum der Import auf halbem Weg stehen bleibt
Selbst wenn das System in Paketen arbeitet, kann ein Paket fehlschlagen — Netzwerkunterbrechung, Timeout, ein Sonderzeichen tief in der Datei. Was dann passiert, hängt davon ab, ob das System weiterläuft oder nicht.
Das Problem ist nicht das fehlschlagende Paket — das Problem ist, wenn du nicht weißt, welches Paket fehlgeschlagen ist. Dann hast du einen Teilimport: ein Teil der Gebiete auf der Karte, der andere fehlt, und niemand sieht, dass etwas fehlt, weil die Karte eben etwas zeigt.
Was du verlangst: eine Rückmeldung je Paket (wie viele Zeilen, ob erfolgreich), und am Ende eine Gesamtzahl, die mit deiner Datei übereinstimmt. Wenn das System dieselbe Zahl bestätigt, die du hochgeladen hast, stimmt es. Wenn nicht — ist Suchen angesagt, bevor das Feld losfährt.
Dubletten: Die Vorschau schützt vor dem doppelten Pin
Wenn dieselbe Adresse zweimal in der Datenbank steht, passiert genau das: Zwei Pins an derselben Stelle. Auf der Karte sieht das aus wie einer — bis dein Vertriebler die Adresse anklickt und bemerkt, dass sie zweimal zugewiesen ist. Zwei Vertriebler, eine Tür, keine Koordination.
Eine Dubletten-Vorschau vor dem Schreiben zeigt dir, was kollidiert — gleiche Koordinate, gleiche Hausnummer, auch wenn die Schreibweise unterschiedlich ist. Das Ergebnis der Vorschau ist eine Liste: hier sind die Treffer, die schon in deinem Bestand sind. Ein Mensch schaut drüber und entscheidet: Aktualisieren oder überspringen? Diese Entscheidung trifft das System nicht für dich — die Verantwortung liegt beim GF.
Automatisches Überschreiben ohne Vorschau ist der Weg, wie zugewiesene Gebiete verschwinden. Der Vertriebler hatte seinen Bereich, der Import hat ihn weggesprengt — weil niemand die Vorschau gesehen hat.
Schreibweisen und Reste: Warum du nach einem Fehl-Import aufräumen musst
Das ist die Falle, die am wenigsten sichtbar ist. Uns ist genau das passiert: Im Echtbetrieb (15.07.2026) haben wir 1.120 Adressen importiert — und anschließend festgestellt, dass 0 Hausnummern aus dieser Liste mit dem vorhandenen Bestand gematcht haben. Null von 1.120. Die Ursache: Schreibweisen. „Straße" ausgeschrieben in der neuen Liste, abgekürzt im Bestand. Für das System sind das zwei verschiedene Adressen — auch wenn es dieselbe Tür ist.
Der Import hat also 1.120 neue Einträge angelegt, die nicht mit dem bestehenden Bestand verbunden waren. Auf der Karte: 1.120 unverbundene Pins neben dem bereits vorhandenen Bestand. Im Feld: Vertriebler, die in dieselben Gebiete fahren, ohne es zu wissen.
Die Lehre daraus ist simpel und hart: Liste vorher normalisieren. Schreibweisen vereinheitlichen, bevor der Import startet — nicht danach. Und das ist Handarbeit oder ein eigenes Bereinigungsskript, kein Knopf im System.
Die zweite Folge von Fehl-Importen: Reste. Ein Import mit fehlerhaften Daten, der abgebrochen und wiederholt wurde, hat im Echtbetrieb (17.07.2026) 941 Doppel-Pin-Stapel auf der Karte erzeugt — Überbleibsel des abgebrochenen Laufs, die niemand bereinigt hatte. Aufräumen nach Fehl-Importen ist kein optionaler Schritt. Wer die alten Einträge liegen lässt und einfach neu importiert, multipliziert das Problem.
Selbst-Check: fünf Fragen vor jedem Import
- Habe ich die Schreibweisen in meiner Liste mit dem Bestand verglichen — Straße ausgeschrieben vs. abgekürzt, Umlaute, Satzzeichen?
- Gibt mir das System eine konkrete Zahl, wie viele Zeilen tatsächlich importiert wurden — nicht nur ein „fertig"-Banner?
- Habe ich die Dubletten-Vorschau gesehen und aktiv entschieden, was mit Kollisionen passiert?
- Wenn dieser Import ein vorheriger war, der fehlgeschlagen ist: Sind die Reste aus dem alten Lauf bereinigt?
- Hat das Feld danach auf einer sauberen Karte geprüft — nicht nur das Backoffice am Desktop?
Wenn du bei einer dieser Fragen zögerst, fährt das Feld auf einer Karte, die nicht stimmt.
Was das in Feldzeit bedeutet
Ein Vertriebler auf falschen Gebieten hat nicht nur Zeit verloren. Er hat möglicherweise Türen bearbeitet, die schon jemand anderen gehören — mit allen Konsequenzen für Koordination und Provision. Fehl-Importe erzeugen keine Fehler im System, die sofort sichtbar sind. Sie erzeugen Fehler im Feld, die erst sichtbar werden, wenn die Schicht vorbei ist.
Der Aufwand für eine sauber normalisierte Liste und eine geprüfte Vorschau ist überschaubar. Der Aufwand für das Aufräumen danach ist ein Vielfaches davon — plus die Feldzeit, die verloren ist, bevor jemand bemerkt hat, dass die Karte log.
Basis: eigene Betriebszahlen aus dem Echtbetrieb (Stand 07/2026), anonymisiert — keine Kundendaten, keine Anbieter-Interna.